Was habe ich mich gefreut – wie ein Kleinkind an Weihnachten – die Kontaktaufnahme zu Diana war erfolgreich. Wir schrieben wie die Bekloppten, manchmal fast wie im Chat, obwohl es Kommentare waren, verteilt über mehrere Themen und wir fanden kein Ende. Das Wochenende war bereits verabredet, aber es zeichnete sich schon jetzt ab, dass das wahrscheinlich keine Eintagsfliege, sondern eine wirkliche Freundschaft wird.
Es hätte ja auch sein können, dass sie mich nicht so nett findet, wie ich sie und sich auch nicht mit mir treffen möchte. Ich meine, wenn sie sich mit jedem treffen würde, der das möchte, dann kommt sie zu nichts anderem mehr. Naja, normalerweise tut sie das auch nicht, schon mal gar nicht, wenn sie die Person nur vom schreiben her kennt, man weiss ja nie, wer wirklich dahinter steckt. Deswegen hatten wir auch das eine Mal telefoniert, weil ich ihr zeigen wollte, dass ich wirklich ich bin und hatte ihr auch ein paar Foto’s geschickt- auch als Hilfe, damit wir uns am Flughafen erkennen.
Und dann war es, wie gesagt, endlich soweit, ich machte mich auf den Weg zu ihr – ein kleines Abenteuer, ich bin vor fast 10 Jahren das letzte Mal geflogen – über Amsterdam, dauerte dementsprechend länger, was die Aufregung nicht unbedingt minderte. Es war fast so ein Gefühl wie “Fan trifft seinen Star” und ein Fan war ich in gewisser Weise ja auch von Diana. Neben den anderen Blogs, die auch von netten Mädels betrieben werden, war, ist und bleibt sie einfach mein Liebling. Sie ist die einzige, die so wahnsinnig offen, ehrlich, schonungslos und emotional über wirklich alles schreibt. Hut ab, wenn ich einen aufgehabt hätte.
Und dann standen wir uns gegenüber, live und in Farbe und beweglichen Bildern. Ein merkwürdiges Gefühl am Anfang, man ist sich gleichzeitig fremd und vertraut. Aber das legte sich schnell. Am ersten Abend quatschten wir bis sechs Uhr morgens. Um 10 Uhr trieb es mich wieder aus dem Bett, immer noch aufgedreht, weil es einfach so schön ist, mit Diana zu quatschen.
Viel mehr haben wir an dem Wochenende auch nicht getan, die Hälfte aller Pläne über Bord geworfen, ausser der Ausflug zum Stammtisch-Treffen.
Von daher hatte ich fast ein schlechtes Gewissen, weil ich schon so viel über sie wusste, aber sie von mir nur, was wir in den Kommentaren geschrieben haben. Was mich zu dem Freitag von unserem ersten Wochenende zurück bringt. Denn die Quatscherei ging da weiter, wo wir morgens um 6 Uhr aufgehört hatten.
Eigentlich hatte ich sie ja nicht wecken wollen, aber meine Zigaretten lagen im Wohnzimmer, wo sie schlief, und so wachte sie doch auf. Wo ich schon mal da war, da blieb ich auch und wir legten wieder los. Irgendwann um die Mittagszeit bemerkte Diana, dass sie immer noch so da sass wie um 10 Uhr, ungeschminkt, ungekämmt, in Nachtklamotten – und unrasiert. Wäre mir gar nicht weiter aufgefallen, denn wenn man aufsteht, ist man nunmal nicht gestylt – war ich ja auch nicht. Für mich war sie da einfach Diana-ungeschminkt, ganz normal, kein grosser Unterschied zu der zurechtgemachten Diana vom Vorabend. Aber sie meinte, normalerweise wäre der erste Weg der ins Badezimmer gewesen, aber sie hätte das Gefühl, bei mir bräuchte sie das nicht, sie würde sich trotzdem recht wohl fühlen.
Wir hatten vorher mal darüber gesprochen, dass sie gerne mal ein Feedback hätte, wie sie denn so rüberkommt, genaugenommen hätte sie gern gewusst, wie sie läuft. Ich hatte angeboten, das mal zu beobachten. Und am Bahnhof, als wir auf dem Weg zu ihr waren, gab es auch gleich eine Begebenheit. So’n Typ schaute sie erst ein wenig irritiert an, lief weiter, musterte sie von hinten, über die Haare, das Hinterteil, blieb an den Beinen hängen – und er lief währenddessen weiter. Hätte dort ein Pfeiler gestanden, er wäre volles Pfund dagegen gelaufen….Mit anderen Worten, es sieht sehr nett aus, wie Diana läuft. Sogar Barfuss im verpennten Zustand auf dem Weg ins Bad – musste ich ihr natürlich erzählen. Und überhaupt, ihre Mimik, ihre Gestik, die Art wie sie sich bewegt, die Art, wie sie etwas erzählt – alles eindeutig weiblich, aber ganz natürlich, nichts gekünsteltes oder antrainiertes – einfach nur eindeutig ein Mädchen.
Naja und während wir uns die Seele aus dem Leib quatschten, hatte ich das Gefühl, dass da irgendwas zwischen uns hin und her geht. Keine Ahnung, was das war. Ich hatte zwar schon vorher so ein Gefühl der Verbundenheit, eine Art “Draht”, als ich in ihrem Blog las. Aber jetzt war es noch intensiver, wir hätten auch schweigen können und wir hätten uns verstanden. Wie eine merkwürdige Form von Energie, irgendwas schwang da die ganze Zeit mit, ich kann das gar nicht richtig beschreiben. Ich kam zu dem Schluss, dass muss das sein, was man als “Seelenverwandschaft” bezeichnet.
Darüber hinaus stellten wir fest, dass wir in vielerlei Hinsicht ähnlich gelagert sind, seien es Interessen, Hobbies, Erfahrungen, Ansichten…und dann entdeckten wir, dass wir beide ein ähnliches Tatoo an der gleichen Stelle haben. Und da wurde es mir fast unheimlich – wir ticken fast wie eine Person (hier habe ich schon mal drüber geschrieben).
Wie es dann immer so ist, wenn es gerade soooo schön ist, dann ist es auch schon wieder zuende – Sonntag nachmittag musste ich zum Flughafen. Und hatte sowas von keine Lust. In dieser kurzen Zeit hatte ich dieses Mädel echt lieb gewonnen – da noch in freundschaftlich-schwesterlicher Natur und fand es ewig schade, dass wir uns nicht regelmässig sehen können. Dementsprechend gedrückt war die Stimmung, ehrlich, hätte ich die Möglichkeit gehabt, ich hätte locker noch ne Woche drangehangen. Aber wir hatten auf jeden Fall vor, wir wiederholen das.
In Amsterdam hatte ich wieder einen Zwischenstop und simmste Diana an, von wegen, bis jetzt ist alles gut gegangen und da schrieb sie, sie würde mich jetzt schon vermissen. Äh? Ok, sie ist halt ein emotionales Wesen, wir hatten soviel Spass und sie wird mir mit Sicherheit auch fehlen. Aber irgendwie…trappst da ne Nachtigall? Nein, kann nicht sein. Sie steht zwar auf Mädels, aber warum sollte das ausgerechnet ich sein und sie weiss ja, dass ich mit Mädels nix am Hut habe.
Ihr Bericht (siehe Sleepless) war auch noch dementsprechend emotional und sie schrieb so süss über mich, dass ich mich fragte, wer war das Wochenende denn da – ich war das nicht.
Die Kommentiererei ging weiter, wurde kurze Zeit später um MSN erweitert – ich hatte sie endlich zum chatten überredet. Tja, und dann kam eines Tages eine Mail von ihr, die mich umhaute und sprachlos machte. Sie schrieb etwas im Sinne von, ich wäre mehr für sie als nur eine “gute Freundin” und sie wüsste zwar, dass ich nicht auf Mädels stehe, aber sie wäre der festen Überzeugung, dass wir ein Traumpaar wären und wenn ich in der Nähe wohnen würde, würde sie alles daran setzen, mich doch irgendwie von einer Frauenbeziehung zu überzeugen und mein Herz zu gewinnen.
Oha. Ach du heilige Schei….was antworte ich denn da drauf?? Ich hab sie ja lieb, so ist es ja nicht, aber eben nicht so, wie es für eine Beziehung sein sollte. Und dann ist da ja auch noch die Entfernung. Das wäre ihr auch klar und von daher eh unmöglich, aber sie wäre der Meinung, ich hätte ein Recht darauf, zu erfahren, wie sie fühlt und wenn sicih so etwas bei ihr anstaut, dann muss das einfach raus. Auch auf die Gefahr hin, dass das unsere Freundschaft gefährdet. Da konnte ich sie aber beruhigen, denn ich war der Meinung, wir haben eh so einen grossen räumlichen Abstand, es wäre vermutlich schwieriger, wenn man sich regelmässig sieht – der einen tut es weh, und die andere weiss nicht genau, wie sie mit der anderen umgehen soll, um ihr nicht noch mehr weh zu tun.
Wir wollten aber beide die Freundschaft nicht aufgeben, um keinen Preis und wie ich Diana bisher kannte, hätte es auch gut sein können, dass sich ihre Emotionen mit der Zeit beruhigen und ich wieder nur eine sehr gute Freundin für sie bin. Taten sie aber nicht, das hat sie immer mal wieder durchblicken lassen und ich begann irgendwann zu schwanken…wie und warum und was der schlussendliche Auslöser war….ist Stoff für einen dritten Teil
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11 users Kommentar(e) zu diesem Beitrag
Und wie war der Stamm für dich? (Ausser einer lästigen Unterbrechung
)
kann esseindas der 5.teAbsatz weiter nach oben gehört ?
Eine super spannende Geschichte…
liebe Grüße,
Vivien-Kim
@ Bad Hair Days
Asche über mich….gibt noch nen dritten Teil, da ist auch der Besuch beim Stamm mit drin
@ Vivien -Kim
Wo Du das so erwähnst..jepp, das kam, weil ich zwischengespeichert hatte und der Absatz irgendwie nach ganz untern gerutscht ist und ich das erst am Ende des Beitrags gemerkt habe…korrigier ich gleich mal
Also eines mal vorweg, ich finde Deine Berichte sehr gut und mit viel Hingabe geschrieben und ich warte immer schon auf den nächsten Teil. Aber bei diesem Satz “…Irgendwann um die Mittagszeit bemerkte Diana, dass sie immer noch so da sass wie um 10 Uhr, ungeschminkt, ungekämmt, in Nachtklamotten – und unrasiert…..” musste ich doch schmunzeln….zwei Mädels und eines unrasiert.
Dieses erste Wochenende war für mich wirklich der Wendepunkt. Es war ja schon ein Wunder, dass ich Dich überhaupt eingeladen habe. Ich habe noch nie jemanden drei Tage zu mir nachhause eingeladen, das gibts bei mir nicht, never. Naja bis Du dann in mein Leben getreten bist, da wurde vieles Selbstverständlich, bis hin zum “unrasiert rumsitzen”. Und als ich Dich zum Flughafen brachte und wieder zuhause ankam, spürte ich, dass da etwas fehlt, das Teil meines Lebens geworden ist. Ich hoffte auch, dass sich das mit der Zeit legt, zum Glück täuschte ich mich da
@Chrisi: Es ist einer der wenigen Makel von uns T-Girls, dass wir nicht nur täglich die Beine rasieren, wie unsere andern Schwestern, sondern auch im Gesicht weiter machen müssten
Umso grösser ist das Wunder, dass ich Juliet gegenüber nicht mal da Hemmungen habe, weil ich tief in mir spürte, dass ich für sie voll und ganz Frau bin, egal was für Makel mein Körper zu bieten hat
Achja was das Feedback anbelangt, das hat mich wirklich extrem erstaunt. Du hast mich auf einiges aufmerksam gemacht, von dem ich überrascht war, dass irgendwelche Gesten oder Haltungen von mir weiblich wirken, weil viel von dem was Dir aufgefallen ist, Dinge waren, über die ich nie nachgedacht habe. Ich habe mir kaum etwas antrainiert, ich habe einfach die Maske fallen gelassen und das “männliche Verhalten” bröckelte von mir ab. So ist es für mich eine grosse Bestätigung, wenn Andere mir sagen, dass dies oder das an mir natürlich weiblich wirkt. Es zeigt mir, dass ich tatsächlich so weiblich bin, wie ich mich fühle und dass das auch spürbar ist, ohne dass ich etwas vorspielen müsste.
Achja etwas hast Du ja vergessen zu erzählen, freches Ding Du, dass Du mich am Morgen geweckt hast, in dem Du mich mit Strähnen meiner Haare im Gesicht gekitzelt hast. Doofe Mieze Du
Schnuggi, das war ja nicht der letzte Teil
Zum unrasiert rumsitzen, mir wäre das auch gar nicht aufgefallen, wenn Du das nicht erwähnt hättest und selbst wenn ich was gesehen hätte, wäre das auch nicht schlimm gewesen, weil ich ja weiss, dass das da ist. Und so dicht bin ich Dir damals ja auch noch nicht auf den Pelz gerückt..
auf den Pelz gerückt passt in dem Zusammenhang
als Blondine hab ich halt schon den grossen Vorteil, dass es auch kaum auffällt, wenn ich nicht blitzblank entfellt bin.
Ja, das mit dem Blond hat auch gewisse Vorteile. Bis auf die Oberlippe klappt das bei mir auch ganz gut. Aber wenn mich das weiter nervt, dann werden die Biester an der Stelle weggebruzelt.
würd ich auf jeden Fall machen, was weg ist, ist weg
Muss nur mal schauen ob ich in der Umgebung jemanden finde der das macht und was es kostet.
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